Im Interview: Ralf-Dieter Gregorius, Ev. Pfarrer auf der Karthause

Ralf-Dieter Gregorius, Evangelischer Pfarrer im Koblenzer Stadtteil KarthauseAm Sonntag sind wir im Rahmen des Spotlight-Gottesdienstes in seiner Kirche, dem Dreifaltigkeitshaus auf der Karthause, zu Gast. Unsere Gastgeber und „Hausherr“ am Sonntag, Pfarrer Ralf-Dieter Gregorius, stellen wir heute schonmal vor.

Kurz und schmerzlos: Wer bist du, was machst du und was macht dich aus?
Ich stamme aus Simmern im Hunsrück und bin in der dortigen Kirchengemeinde großgeworden. Dabei haben sich der Einfluß eines guten Pfarrers und verschiedener Menschen aus pietistischen Kreisen ergänzt. Seit meinem dreizehnten Lebensjahr bekenne ich mich als gläubiger Christ. Zu meinem Glauben und meinem Verständnis des Evangeliums gehört für mich der Rückbezug auf meine Taufe als Kind. Gott zeigt mir durch Christus, dass er an mich glaubt, er hat mich zuerst erwählt … das zu wissen ist wichtig, um klarzukriegen, was das bedeutet: sich für Jesus entscheiden.
Ich habe als Jugendlicher ganz bewusst in zwei Welten gelebt: der geschlossenen Welt „der Frommen“ und der ganz normalen Welt der Anderen mit Diskothek, Mofa und Rockmusik. Weil ich da schon immer als gläubig galt, musste ich nicht alles mitmachen, um dazu zu gehören. Nach und nach konnte ich immer mehr beitragen, die Grenzen zwischen diesen „Welten“ durchlässiger zu machen. Das ist bis heute Teil meiner Berufung als Pfarrer.
Durch mein Studium und die Auseinandersetzung mit einer Sekte bin ich so geführt worden, dass ich den evangelischen Gottesdienst und die klassische Liturgie (Gregorianik, Choräle etc,) als einen vom Heiligen Geist gestalteten Raum der Begegnung mit Christus und seinem Wort erlebt habe. Eine wichtige Aufgabe sehe ich darin, in diesen Raum dem Herrn den Weg zu bereiten, Gerümpel wegzuräumen, Wertvolles, egal ob alt oder neu zu „ent-decken“ und einzufügen in die große Kultur der Anbetung und des Lobpreises des dreifaltigen Gottes.

Du bist Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Koblenz-Karthause und gleichzeitig Vakanzvertretung in Bendorf?
Seit 12 Jahren bin ich Pfarrer auf der Karthause. Mir liegt sehr an einer verständlichen, klaren, an Schrift und Bekenntnis orientierten Verkündigung. Ich rufe Menschen dazu auf, sich Christus anzuvertrauen, sich nicht treiben zu lassen, sondern sich zu entscheiden. Dies geschieht für mich nicht nur in der Predigt, sondern auch im Gespräch und der Seelsorge. Mein Dienst gilt nicht nur der Gemeinde, sondern auch der Öffentlichkeit. Dabei hilft mir sehr, dass ich nie ausschließlich in kirchlichen oder frommen Kreisen gelebt habe. Nach dem letzten Abendtermin bin ich gern in meiner Stammkneipe „Pipers Corner“.
Der Begriff Lobpreis ist in unserer Gemeinde erst seit Kurzem präsent.
Eigentlich bin ich Traditionalist, vertraue mit gutem Grund dem Bewährten und will nicht mit jedem Wechsel der Mode die „Kleider“ wechseln.
So ging es bei meiner Arbeit in und mit der Gemeinde zuerst darum, unsere gottesdienstliche Tradition mit Bibel, Gesangbuch, Predigt und Abendmahl lebendig und anziehend zu gestalten. Das ist uns gelungen, nicht immer aber immer öfter. In einem zweiten Schritt habe ich dann, vor allem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, traditionelle, klassisch-hochliturgische „plug ins“ eingebracht: Gregorianik, Osternacht, feierliche Christmette mit liturgischen Zeichen, das Singen von Gebeten, kurz: das ganze „Instrumentarium“ das in evangelikalen Kreisen misstrauisch oft beäugt wird und auch manchen Theologen als „überflüssig“ gilt. Für die Ev. Michaelsbruderschaft, der ich angehöre, habe ich ein Evangelisches Messbuch mit Liturgien und Gebeten herausgegeben. Mit diesem Buch und freien Gebeten gestalte ich die meisten Sonntagsgottesdienste.
Dann kam für mich Phase drei meiner Arbeit. Ich sehe es als göttliche Fügung, dass eine Zusammenarbeit mit dem Musiker Matthäus Huth möglich wurde. Da konnten wir durchstarten und den Raum des Gottesdienstes und Gebetes erneut reicher gestalten. Dies geschieht seit Jahren durch laute und leise Musik mit Gitarre und mit unserer neugegründeten Jugendband.
Seit sieben Jahren bin ich mit einigen Aufgaben auch in der Gemeinde von Bendorf tätig. Da konnte ich weiter Erfahrungen sammeln in einer Gemeinde, die liturgische Tradition, Orgel und Gesangbuch mit charismatischen Erfahrungen und Lobpreis verbindet.

Lobpreis und Musik mit Band sind weder auf der Karthause noch in Bendorf die letzte Rettung für unseren Gottesdienst. Mit Orgel, Gesangbuch, Bibel und Liturgie haben wir bereits den Reichtum des Geistes Gottes erfahren; sie bereichern uns jetzt erneut im Lobpreis. Da habe ich ganz viel klassische Formen im neuem Gewand entdeckt: Die Reduzierung der Aussagedichte auf einen Gedanken und seine Vertiefung durch Wiederholung in Kehrversen („Groß ist der Herr, sing mit mir … so groß, so groß, so groß …“).
Der Gesang ist oft ein Dialog zwischen Sängern und der Gemeinde. In der Projektion der Lieder und Liturgien wird die Verkrümmung der Gemeinde über Gesangbuch oder Liedblatt vermieden. In charismatischen Gottesdiensten sind die klassischen liturgischen Gesten wieder da, da wird aufrecht und freihändig gebetet, oft in freien Worten aber nicht unvorbereitet.

Mit dem kommenden Spotlight-Gottesdienst am 20. Januar sind wir in eurer Kirche zu Gast. Wie kam es dazu und was sind eure Erwartungen dafür?
Mein Kollege in Bendorf hatte mich eingeladen zum „Pastorenfrühstück“ mit den Brüdern aus der Evangelischen Allianz. Aus diesem Kontakt hat sich die Frage ergeben, ob der Spotlight-Gottesdienst nicht auf der Karthause stattfinden könnte. Ich erhoffe, dass bei dieser Gelegenheit geschieht, wovon ein Abendmahlslied spricht, das wir oft singen: „Das sollt ihr Jesu Jünger nie vergessen, wir sind, die wir von einem Brote essen, aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder“ Ich hoffe und erwarte, dass wir durch gemeinsames Gebet, Lobpreis und die Feier des Mahles über theologische Unterschiede hinweg wahrnehmen, daß wir längst durch unsere Bindung an den lebendigen Herrn zusammengehören.

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